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Artikel „Compliance-by-Design-Anforderungen“ in ZD erschienen

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Datenschutz (ZD 2016, 267 ff.) befasst sich ein im Rahmen von Smart Regio entstandener Artikel ausführlich mit dem rechtlichen Phänomen von „Compliance-by-Design-Anforderungen. Hinter „Compliance by Design“ steht die Erkenntnis, dass rechtliche Anforderungen oft tief in die Prozesse und die Architektur einer Software hineinwirken. SmartRegio ist ein gutes Beispiel: Eine SmartRegio-Plattform die, auf bestimmte Daten angewandt, Recht bricht, ist illegal. Werden alle kritischen Quellen eliminiert, ist sie mögicherweise nutzlos. Soll sie differenzieren und so auch kritische Daten im Rahmen des Zulässigen nutzen dürfen, ist jeder Teil der Plattform betroffen, von der Integration über die Verarbeitung bis hin zur Visualisierung von Daten. Das erreicht man am ehesten, wenn rechtliche Anforderungen schon vor der eigentlichen Entwicklung im Systementwurf berücksichtigt werden. In einer solchen Lösung ist Rechtskonformität Teil des Designs, also Compliance-by-Design realisiert. Der Beitrag setzt sich damit auseinander:

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In der zunehmend datengeprägten und -zentrierten Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts sind Daten der neue Rohstoff. Steigende Speicherkapazitäten, immer schnellere Rechnergeschwindigkeiten, sinkende Kosten und eine immer stärker werdende Vernetzung und Digitalisierung ermöglichen es, große Datenbestände in immer kürzeren Zeiten zu analysieren und auszuwerten. Häufig werden damit die Begriffe „Big Data” bzw. „Smart Data” verknüpft. Gleichzeitig geht damit aber auch das Risiko einher, dass personenbezogene Daten Gegenstand derartiger Analysen und Auswertungen werden, sodass die Datenverarbeitung für die betroffenen Personen ein erhöhtes Gefahrpotenzial birgt. Deshalb müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen und Anforderungen zwingend berücksichtigt werden, da nur rechtskonforme Lösungen zur gesellschaftlichen Akzeptanz neuartiger technischer Innovationen führen. Der Aufsatz untersucht daher das Phänomen „Smart Data” näher und geht insbesondere auf die Nutzung von Smart Data im Energiesektor ein.

Big Data und Smart Data in der universitären juristischen Ausbildung

Smart Dlogo_goethe-uniata Technologien – wie sie auch in SmartRegio entwickelt und erforscht werden – stellen insbesondere auch das Recht vor neue Herausforderungen. So müssen etwa neben urheber-, wettbewerbs-, vertrags- und haftungsrechtlichen Fragen auch datenschutzrechtliche Anforderungen berücksichtigt und erfüllt werden. Dabei erwächst augenblicklich dem Datenschutzrecht eine besondere Aufmerksamkeit, da die bisher geltenden nationalen Regelungen des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) nur noch bis Anfang 2018 Gültigkeit beanspruchen. Die ab dem 25. Mai 2018 geltende Europäische Datenschutzgrundverodnung wird das bisherige Recht in weiten Teilen verdrängen. Gleichwohl verbleibt den Mitgliedstaaten in einzelnen Teilen weiterhin ein gewisser Spielraum für eigene Regelungen (sogenannte Öffnungsklauseln, die insbesondere den öffentlichen Bereich betreffen).

Im Rahmen des Seminars „Die neue Europäische Datenschutzgrundverordnung“ am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Informationsrecht, Umweltrecht und Verwaltungswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main beschäftigen sich Jurastudentinnen und -studenten u.a. auch mit rechtlichen Fragestellungen rund um das Thema Big Data / Smart Data. So gibt es etwa Themen zur allgemeinen datenschutzrechtlichen Zulässigkeit von Big Data Anwendungen und zu Big Data Anwendungen und dem Grundsatz der Zweckbindung. Damit werden bereits frühzeitig aktuelle Themen, die an der Schnittstelle zwischen Technik und Recht angesiedelt sind, in die universitäre Ausbildung mit einbezogen. Juristinnen und Juristen werden zeitig geschult, sich auch mit technischen Sachverhalten und deren datenschutzrechtlicher Bewertung auseinanderzusetzen. Gewonnene Erkenntnisse aus Smart Regio können so unmittelbare in die universitäre Ausbildung einfließen.

Rechtssicherheit in Smart Data Anwendungen

Am 23. Februar 2016 fand der 2. Workshop der Fachgruppe „Recht“ im Rahmen der Smart Data Begleitforschung im SpreePalais in Berlin statt. Er wurde von PD Dr. Oliver Raabe und Manuela Wagner geleitet. Das Ziel der Veranstaltung bestand darin, die geförderten Smart Data Leuchtturmprojekte zu vernetzen, um Rechtssicherheit in Smart Data Anwendungen zu ermöglichen. Dazu wurden gemeinsame rechtliche Fragestellungen gesammelt, diskutiert und erste Lösungen gefunden.

DSC_0132Die zentralen Themen des aktuellen Workshops waren diesmal „Daten als Wirtschaftsgut“ und „(neue) Datenschutzkonzepte“. Zum Auftakt der Veranstaltung hielt Dr. Duisberg (Partner der Kanzlei Bird & Bird) einen Vortrag zum Thema „Datenhoheit und Recht des Datenbankherstellers“. Konkret ging es darum, ob es rechtlich ein „Eigentum an Daten“ geben müsse und wenn ja, was dann darunter zu verstehen sei. Anschließend ging Frau Prof. Weber von der Hochschule Hof auf „Smart Data und Wettbewerbsrecht“ ein. (Anmerkung: Das Wettbewerbsrecht will einen fairen Wettbewerb auf Märkten garantieren. Es setzt sich aus mehreren Gesetzen und vielen Einzelvorschriften zusammen.) Nach ihrer Ansicht wird dabei zu sehr auf personenbezogene Daten geschaut. Andere Probleme würden nicht separat diskutiert und blieben so oft ungelöst. (Anmerkung: In SmartRegio gilt wettbewerbsrechtlich, dass Strom- und Gasnetzbetreiber alle Lieferanten gleich behandeln müssen. Die Stadtwerke sind aber Lieferant UND Netzbetreiber. Deshalb darf der interne Netzbetrieb keine Daten an den internen Lieferanten geben, die andere Lieferanten nicht bekommen – egal ob personenbezogen oder nicht). Sie erachtet eine getrennte Betrachtung einzelner Rechtsthemen als zielführender. Erst dann könne man die Ergebnisse zusammen führen und in ihrer Gesamtwirkung  betrachten. Teilweise würden zudem Wettbewerbsrecht und Datenschutzrecht gegeneinander ausgespielt. (Anmerkung: Dieses Ausspielen betrifft auch SmartRegio. In einem fairen Wettbewerb müssen alle Wettbewerber die gleichen Informationen haben. Das schließt auch auch Informationen über Personen mit ein, was das Datenschutzrecht aber verbietet.)

Am Nachmittag wurden DSC_0134projektübergreifend verschiedene besonders wichtige Themenfelder identifiziert. Am vordringlichsten ist der Konflikt zwischen Big Data und dem Prinzip der Zweckbindung. Danach dürfen Daten nur für einen zuvor fest definierten Zweck erhoben (gespeichert) und verarbeitet werden. Bei Massendaten für Big respektive Smart Data entscheidet sich aber oftmals erst danach, zu welchem Zweck man sie verwenden kann und will. Dieser Widerspruch ist bisher völlig ungeklärt. Erste mögliche Ansätze stellte hierzu Maximilian von Grafenstein in seinem Vortrag „Das Zweckbindungsprinzip – Vom Ausschluss abstrakter Gefahren zur Kontrolle spezifischer Risiken“ vor. Der Titel sagt schon viel über den Inhalt. Das Zweckbindungsprinzip will den Missbrauch personenbezogener Daten verhindern. Dazu gibt es zwei Wege. Derzeit ist nur die Verarbeitung zu dem vorher angegebenen und nicht missbräuchlichen Zweck erlaubt. Dadurch werden viele unproblematische Anwendungen von Big oder Smart Data  verboten. Oder man verbietet spezifische riskante Formen der Verarbeitung. Das würde solche Anwendungen ermöglichen.

Weitere identifizierte rechtliche Themenfelder waren die Anonymisierung und Pseudonymisierung von personenbezogenen Daten, der Umgang mit frei zugänglichen und öffentlichen Daten und die unterschiedlichen Datenarten.

DSC_0170Der bestens organisierte Workshop konnte die rechtlichen Herausforderungen der unterschiedlichen Smart Data Projekte zusammenbringen, gemeinsame Problemfelder identifizieren und auch erste Lösungsvorschläge eruieren. Es bleibt zu hoffen, dass in kommenden Workshops die rechtlichen Problemfelder bei der Nutzung von Smart Data weiter vertieft werden können, um neue Lösungskonzepte zu entwickeln, sodass derartige technische Innovationen auch rechtskonform gestalten werden können.

Smart Data – Smart Privacy?

Unter dem Schlagwort „Smart Data – Smart Privacy?“ hat die Begleitforschung (Fachgruppe Recht) ein erstes Thesenpapier veröffentlicht. Auch SmartRegio hat daran mitgewirkt. Es geht um einen Grundsatzkonflikt. Auf der einen Seite steht Datenschutz. Auf der anderen Seite steht Smart Data. Datenschutz will den Missbrauch von bestimmten Daten verhindern und zwar Daten über Menschen. Dabei setzt es auf bestimmte Prinzipien, wie etwa das „Gebot der Datenvermeidung & Datensparsamkeit“, das „präventive Verbot mit Erlaubnisvorbehalt“ und die „Zweckbindung“. Erstes besagt, dass solche Daten am besten gar nicht gesammelt werden sollen. Das zweite verbietet jeglichen Umgang damit, wenn er nicht (per Gesetz) ausdrücklich erlaubt ist. Und das dritte beschränkt die Erlaubnis auf einen vorher festzulegenden Zweck. Smart Data hingegen möchte aus Massendaten nützliche Information gewinnen. Was nützlich ist – der Zweck – ergibt sich aber oft erst hinterher. Außerdem schließt Massendaten auch Daten über oder von Menschen mit ein. Und es werden verschiedenste Daten kombiniert. Dabei kann der Bezug zu Menschen erst sichtbar werden. Schon heute bewegen sich deswegen viele Datendienste am Rande der Legalität.

SmartRegio als typisches Beispiel

Das zeigt sich auch an unserem Projekt SmartRegio. Die Rohdaten beziehen sich teilweise auf Kunden, Nutzer sozialer Medien oder lokaler Dienste. Natürlich kann man diesen Teil löschen. Aber durch die Kombination mit anderen Datenquellen können selbst unkritische Daten wieder datenschutzrelevant werden. Besonders kritisch ist dabei der räumliche und zeitliche Bezug der Daten. Ist die Analyse zu fein, lassen sich die Informationen einzelnen Menschen zuordnen. Ist sie zu grob, sinkt der Mehrwert für das Unternehmen. Das Ziel von SmartRegio ist klar legitim. Wir sollen keine Menschen ausspähen, sondern Unternehmen helfen, bessere Entscheidungen zu treffen und einen besseren Service zu bieten. Aber dieselbe Technologie könnte auch missbräuchlich, zum Beispiel zur Profilbildung identifizierbarer Kunden, genutzt werden. Damit Gebrauch ermöglicht, Missbrauch aber ausgeschlossen bleibt, braucht es intelligenten Datenschutz oder Smart Privacy. Wir haben das kommen sehen und arbeiten deswegen mit Datenschutzexperten zusammen.

Erstes Thesenpapier der Begleitforschung

Der Konflikt zwischen der Nutzung großer Datenmengen und Datenschutz ist damit eine große Herausforderung für Smart Data insgesamt. Er wird daher als ein Kernthema der Begleitforschung behandelt. Im nun erarbeiteten Thesenpapier Smart Data – Smart Privacy?  der Fachgruppe Recht wird ein erster Überblick über die aktuellen Fragestellungen gegeben. Außerdem werden Forschungsansätze vorgestellt, die zur Auflösung dieses Konflikts beitragen können. Die zugehörige Pressemitteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) finden Sie hier.

 

SmartRegio bei Smart Data Begleitforschung Workshop

Am 16.07.2015 fanden im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) in Berlin die Workshops „Sicherheit“ und „Recht“ der Smart Data Begleitforschung statt. Smart Regio war dabei selbst mit vier Teilnehmern zahlreich vertreten.

Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung durch die Fachgruppenleiter Prof. Müller-Quade (Fachgruppe Sicherheit) und Dr. Raabe (Fachgruppe Recht) hob MinR Dr. Tettenborn (BMWi) hervor, dass im Smart Data Programm datenschutzrechtliche Belange besonders wichtig und zentral sind, hier aber oftmals Abwägungsentscheidungen getroffen werden müssen. Auch der europäische Rechtsrahmen müsse stetig berücksichtigt werden, da mit der aktuell diskutierten Europäischen Datenschutzgrundverordnung ein einheitlicher europäischer Standard geschaffen werden soll. Neben konkreten anwendungsbezogenen Lösungen in den einzelnen Smart Data Projekten müssen gleichwohl auch generell-abstrakte Lösungen gefunden werden, die über den Einzelfall hinausgehen.

DSC_0009Anschließend gab Dr. Weichert (ehemaliger Landesdatenschutzbeauftragter Schleswig-Holsteins) einen interessanten Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen im Kontext von Smart Data Techniken. In der sich anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass oftmals (noch) ein stark unterschiedliches Verständnis bei Technikern und Juristen besteht, wie einzelne Begriffe zu verstehen sind. Hier sei exemplarische nur der Begriff der Anonymisierung genannt.

Dr. Raabe schlug schließlich die Brücke zwischen der rechtlichen und technischen Perspektive zur Datensparsamkeit und zeigte auf, dass nur ein Zusammenwirken von Technik und Recht zu effektiven Lösungen beitragen kann. Prof. Müller-Quade widmete sich den technischen Maßnahmen zur Datensparsamkeit und ging hierbei insbesondere auf Anonymisierungsmechanismen ein. Schließlich gab Murat Sariyar (Projekt SAHRA) aus praktischer Sicht einen Einblick in unterschiedliche Anonymisierungsverfahren und Sicherheitsbegriffe.

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In der sich anschließenden Diskussion und Schlussrunde wurde nochmal deutlich, dass vielschichtige rechtliche und technische Herausforderungen für Smart Data Technologien bestehen. Diesen Herausforderungen stellen sich die einzelnen Smart Data Projekte und insbesondere Smart Regio, um effektive und sinnvolle Lösungen anzubieten.

Smart Data Konferenz Berlin

Am 24.04.2015 fand in den Räumen des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin die Smart Data Konferenz statt. Sie stand unter dem Motto: „Deutschland und Europa auf dem Weg zu einer digitalen Datenökonomie“. Tatsächlich entwickeln sich Daten zunehmend zu einem weiteren Produktionsfaktor, der neue Geschäftsmodelle begründet und altbekannte völlig neu definiert. Zudem haben Daten Besonderheiten, die sie von klassischen Gütern abgrenzen. Sie verbrauchen sich nicht, sondern können unbegrenzt geteilt, weitergegeben und wiedergenutzt werden. Das stellte Frau Zypris, zuständige parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, in ihrer Eingangsrede fest. Bereits hier ging sie auf die Projekte SAKE, SmartRegio, ExCELL und KDI ein, die das besonders verdeutlichen.

Vertreter aus der Praxis …

… lieferten im Anschluss einige Einsichten in die Big und Smart Data-Aktivitäten verschiedener Branchen. In der Automobilindustrie, so Dr. Riedel (Audi AG), führt allein die Speicherung der Messdaten operativer Sensorik unweigerlich zu Massendaten, über deren Analyse sich bspw. Ursachen für Qualitätsschwankungen erkennen und Optimierungspotentiale identifizieren lassen. Bei Siemens wiederum werden darüber hinaus auch hochspezielle Plattformen aus Forschungsprojekten eingesetzt, um beispielsweise die Verfügbarkeit des Kernbeschleunigers CERN zu verbessern. Herr Dr. Storz lieferte zunächst einen anschaulichen Vergleich zum BIG in Big Data. Die Kapazität der größten weltweit geplanten Speichereinrichtung entspricht demnach der Informationsmenge einer Reihe von Aktenordnern, die tausendmal von der Erde bis zur Sonne reicht. Anschließend ging es um Big Data im Gesundheitssektor. Hier treffen große Potenziale und steigende Bedürfnisse auf die wohl größten Hemmnisse. Von Big respektive Smart Data verspricht man sich dort jedenfalls vieles – von Diagnoseverbesserung und Früherkennung über Optimierung bis hin zu völlig neuen individuellen Therapieansätzen. Auch sorgt die Demographie für wachsenden Effizenzdruck. Allerdings stellt die Regulierungsdichte solche Ansätze vor große Herausforderungen. Zu nennen sind hier insbesondere datenschutzrechtliche Vorgaben und die Medical Device Regulation (MDR). Lösungen dafür sind ein zentrales Thema im Projekt InnOPlan.

Paneldiskussion: Die Zukunft des Mittelstands ist datengetrieben

Smart Data 2015Der Titel der Diskussion wurde in der Debatte eher mit einem Fragezeichen versehen. Zu Anfang stellten die Vertreter der Projekte SAKE, SmartEnergyHub, iTESA und SmartRegio diese vor. SAKE behandelt die Auswertung von Maschinendaten, Smart Energy Hub ermöglicht Infrastruktureinrichtungen (Flughäfen, Häfen etc.) die Teilnahme am Energiemarkt. iTESA verwendet Live-Daten, um Risiken für Geschäftsreisende früh zu erkennen. Im Anschluss ging es um die Potentiale von Smart Data im Mittelstand. Mittelständler interessieren sich bereits für Big Data, soweit es die Auswertung eigener Daten zu eigenen Zwecken betrifft. Das ist nachvollziehbar, denn verwandte Trends wie Business Intelligence und Data Warehousing sind bereits etabliert. Big Data verspricht dabei mehr und bessere Ergebnisse. Anders sieht es hingegen dort aus, wo die Weitergabe von Daten notwendig ist, rechtliche Probleme auftreten oder das Erlösmodell neu ist. Insbesondere die mangelnde Bereitschaft zur Herausgabe eigener Daten wiegt schwer und betrifft nicht nur Unternehmen, sondern auch andere Institutionen. Open Data ist in Deutschland noch ein Randthema. Das hemmt die Entwicklung einer echten Datenökonomie, denn dazu braucht es die Erlaubnis und Bereitschaft, Daten an andere und für andere Zwecke bereit zu stellen…

Offene Datenquellen in mobilen Anwendungen

Darum ging es in der zweiten Vorstellungsrunde der Smart Data Projekte mit sd-kama und ExCELL. Ersteres beschäftigt sich mit Katastrophenschutz und wird von der Stadt Köln unterstützt. Daten stammen hier aus verschieden Quellen, zu denen neben Satellitenbilden, Wetterdaten und speziellen Sensoren auch Information von und über Menschen gehören. Hier ergibt sich eine neue Qualität, denn diese Daten sind potentiell rechtlich geschützt und auch nicht unmittelbar zugänglich. In ähnlicher Weise trifft dies auch auf ExCELL zu, dass sich mit der Optimierung von City-Logistik beschäftigt und dazu u.a. Daten der Crowd nutzt. Diese Projekte können nur dann erfolgreich sein, wenn Menschen und Firmen Daten zu diesem Zweck herausgeben. Hierfür ist Vertrauen nötig und kritische Fragen zum Thema Daten- und Geheimnisschutz müssen dringend beantwortet werden. Der Widerspruch zum Datenschutz ist dabei nicht etwa konkret und technisch, sondern grundlegend: Prinzipien wie Datensparsamkeit und Zweckbindung sind mit Big Data grundsätzlich nicht vereinbar.

Datenmanagement und -Analyse neu definiert

Das ist Kernthema der Projekte SD4M, KDI und SAHRA. Wenn die für ein Geschäftsmodell notwendigen Daten jenseits der Grenze eines Unternehmens liegen, können Daten nicht mehr traditionell gehalten und analysiert werden. Im Projekt SD4M geht es um Smart Data für die multimodale (verkehrsmittelübergreifende) Mobilität und Empfehlungen bei kurzfrisitigen Ereignissen. KDI versucht medizinische Information ganzheitlich zu analysieren. SAHRA beschäftigt sich mit der zielgerichteten Analyse von Krankengeschichte und Behandlungshistorie von Millionen von Kunden einer großen Krankenkasse. In allen Fällen müssen Daten flexibel analysierbar vorgehalten werden. Obendrein handelt es sich (teilweise) um personenbezogene Daten. Insofern spielt auch hier der Datenschutz eine besonders wichtige Rolle.

Data-Driven Innovation – European Opportunities and Challenges

Das Smart Data Programm ist eingebettet in eine europäische Strategie. Das wurde durch die Diskussion unterstrichen, an der neben Vertreter des BMWi und BMBF auch solche der Europäischen Kommission und mehrere nationaler und internationaler ICT-Verbände teilnahmen. In ihr ging es darum, den notwendigen rechtlichen und institutionellen Rahmen für eine Datenökonomie zu beschreiben. Dabei gelten Daten als vierte volkswirtschaftliche Ressource (neben Arbeit, Kapital und Boden). Eine Datenökonomie setzt voraus, dass Daten wie andere Ressourcen frei allokierbar sind. Sind Unternehmen und Institutionen bereit und berechtigt, Daten anderen Akteuren zur Verwertung weiterzugeben, entsteht ein gigantisches ökonomisches Potential, denn wie eingangs erwähnt gibt es bei Daten im Gegensatz zu anderen Ressourcen nicht nur ein ‚entweder-oder‘, sondern ein ‚auch‘. Dadurch können die Daten gewinnbringend eingesetzt werden. Die Voraussetzungen hierfür müssen auch auf europäischer Ebene geschaffen werden. Das wurde auch von Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, so gesehen, der Daten in seinem Vortrag unter dem Titel „The currency of the Digital Single Market“ als neue Währung betrachtete.

Offizielles SmartRegio Kick-Off

Am 5. März fand das offizielle SmartRegio Kick-Off bei der YellowMap AG in Karlsruhe statt. Zu Gast waren neben den Vertretern der Projektpartner YellowMap, USU, Disy, dem DFKI und der Uni Frankfurt auch die Repräsentanten des Projektträgers (Deutsches Luft- und Raumfahrtszentrum – DLR) sowie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Da seit dem Projektstart bereits 3 Monate vergangen sind, konnten auch bereits erste Ergebnisse vorgestellt werden. Dazu gehörten erste Anwendungsfälle wie eine optimierte Vorbereitung von Mitarbeitern im telefonischen Kundenservice, gezielte Werbemaßnahmen für spezielle Produkte und die verbesserte Ausbauplanung im Netz der Stadtwerke Kaiserslautern. Die Partner präsentierten, welchen Stand bei Ihnen vorhandene Technologien schon heute erreichen und wo welcher Weiterentwicklungsbedarf besteht. Hier stellen sich insbesondere Fragen der Vereinbarkeit methodischer Ansätze zur Verarbeitung von Big Data mit Anforderungen, die sich aus der räumlichen und zeitlichen Dimension der Daten ergeben. Hinsichtlich der Architektur und der Schnittstellen wurden bereits erste Festlegungen getroffen. Teilweise werden nötige Schnittstellen bereits implementiert. Dies betrifft insbesondere die Datenintegration (Einbindung von Daten aus der lokalen Suche) sowie die Verbindung zwischen GIS-Middleware und kartenbasierter Visualisierung.

Die Universität Frankfurt präsentierte einen Überblick über einschlägige Datenschutznormen und neue Entwicklungen wie der europäischen Datenschutzgrundverordnung. Die Konfliktpotentiale zwischen Big Data und Datenschutz erwachsen demnach nicht etwa nur aus einzelnen Normen, sondern schon aus allgemeinen Grundprinzipien wie Datensparsamkeit und Zweckbindung. Ersteres begrenzt den Umfang der Speicherung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten auf ein notwendiges Minimum. Letzteres bindet die Verarbeitung an jenen Zweck, welcher der ursprünglichen Erhebung zugrunde lag. Viele Big Data-Ansätze versuchen hingegen so viele Daten wie möglich für andere als die ursprünglich verfolgten Zwecke nutzbar zu machen. Daher wurden einige Ansatzpunkte bei der Vermeidung des Personenbezugs (Anonymisierung, Pseudonymisierung oder räumliche und zeitliche Aggregation) genannt.

Zum Abschluss gab es noch einen kurzen Fototermin auf dem Campus con CAS und YellowMap.

Internes Kick-Off SmartRegio

Die SmartRegio-Partner haben als erstes Konsortium ihre jeweiligen Teilprojektanträge und den Vollantrag gestellt. Das Projekt wurde daher als erstes von 13 im Rahmen des Wettbewerbs Smart Data – Innovationen aus Daten ausgezeichneten Projekten am 01.12.2014 offiziell gestartet. Das interne Kick-Off Meeting fand somit bereits am 16.12.2014 bei der YellowMap AG in Karlsruhe statt. Wir, die Projektpartner, freuen uns darauf, in den nächsten 30 Monaten und darüber hinaus viele spannende Ergebnisse zu präsentieren.

SmartRegio ausgezeichnet…

Zusammen mit 12 anderen Projekten wurde SmartRegio als Gewinner des Technologiewettbewerbs Smart Data – Innovationen aus Daten ausgezeichnet. Die feierliche Übergabe der Urkunden fand im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik in Stuttgart statt. Stellvertretend für das gesamte Konsortium wurden diese von Herrn Dr. Andreas Abecker (Disy), Herrn Dr. Ansgar Bernardi (Deutsches Forschungsinstitut für künstliche Intelligenz), Herrn Henrik Oppermann (USU AG) und Herrn Richard Wacker (YellowMap AG) in Empfang genommen.